• Nico

Eine kurze Geschichte der Arbeit

Aktualisiert: März 16

Die Auffassung, welche Tätigkeiten als Arbeit betrachtet werden und welche Einstellung die Menschen dazu haben, sind kulturell sehr unterschiedlich. In industrialisierten Kulturen wie Österreich haben Arbeit und Beruf einen enorm hohen Stellenwert. Das marktorientierte Wirtschaftssystem und der erwünschte niemals endende Fortschritt ist von leistungswilligen Arbeitnehmern abhängig.


Doch wie entstand unsere heutige, verfahrene Betrachtungsweise zur Arbeit?


In der griechischen Antike wurde die niedrige Arbeit von Sklaven und Frauen ausgeführt. Bis ins Mittelalter war Arbeit etwas, das zum Überleben gemacht werden musste. Eine Notwendigkeit, um über die Runden zu kommen. Die Arbeit beschränkte sich großteils auf die Landwirtschaft. Die meisten Menschen lebten von der Hand in den Mund.

Einem guten Leben stand die Arbeit eher im Weg. Viel lieber feierten die Menschen, tanzten, spielten und sangen miteinander. Bis zu 100 Feiertage im mittelalterlichen Jahr sorgten dafür, dass die Arbeit nicht in den Vordergrund geriet. Denn wozu auch mehr arbeiten? Habgier und Gewinnstreben galten als Laster, materieller Wohlstand als Ausdruck sündiger Diesseitigkeit.


Im 16. Jahrhundert prägte Marin Luther eine neue Denkweisen. Arbeit wird zur Berufung, Müßiggang zur Sünde. Der Arbeiter soll seinem Gott dienen und ist geboren, um zu arbeiten. Von nun an arbeitet man nicht mehr, um zu leben, sondern lebt, um zu arbeiten.


Im 18. Jahrhundert beginnt das System, in dem wir bis heute gastieren, sich auszubreiten. Die Industrialisierung startet. Das Bevölkerungswachstum steigt, Industrielle bauen Fabriken und brauchen zwangsläufig Arbeiter und Konsumenten. Frauen, Kinder und Männer strömen in die neuen Fabriken und werden zu Arbeitern. Die Produktion entwickelt sich. Die Arbeiter jedoch, verstehen nicht, warum sie mehr arbeiten sollen als nötig. Wird der Lohn ausbezahlt, so lassen die Arbeiter die Maschinen einfach stehen und gehen nach Hause. Zur Motivation senken die Fabrikanten die Löhne und zwingen die Belegschaft durch Hungerlöhne, immer mehr zu arbeiten.


Der Kapitalismus entwickelt und manifestiert sich. Der Sozialismus zieht nach und verklärt Arbeiter zu Helden und fordert das Recht auf Arbeit: „Den Müßiggänger schiebt beseite, diese Welt muss unser sein!“ Wiederum profitieren Industrielle und Fabrikanten davon und treiben den Kapitalismus und Konsum weiter voran. Henry Ford, der Pionier der Automobilfabrik sagte einst: „Die Zivilisation hat keinen Platz für den Müßiggänger.“


Die nächsten Generationen, bis heute, sind geprägt von der Wichtigkeit und Sinnhaftigkeit von Arbeit, sowie von übermäßigem Konsum und Status. Viele Arbeitsverhältnisse werden zunehmend prekär. Wer einen der gut bezahlten Jobs ergattert, widmet sich ihm mit ganzer Leidenschaft – mit Erreichbarkeit rund um die Uhr. So leben wir heute mehr denn je ganz im Sinne Luthers und empfinden Arbeit eben als Berufung oder sogar als Sinn des Lebens.


Arbeiten wir immer noch im Sinne der Großindustriellen und Konzerne?

Um ihre Produkte für niedrige Löhne herzustellen, die wir später kaufen sollen?

Doch sollten wir nicht auf die Muße hinarbeiten?


Übrigens: Puritaner glaubten, dass Menschen, die es durch Arbeit zu finanziellem Wohlstand schaffen, von Gott auserwählt wurden.


  • Schwarz LinkedIn Icon
  • Facebook
  • Instagram