• Nico

Was du beim Investieren in Indizes beachten solltest

Aktualisiert: März 16

Du möchtest in börsengehandelte Indexfonds (ETFs) investieren, oder bist bereits investiert?


ETFs sind passiv gemanagte Fonds, die für Kleinanleger eine gute Möglichkeit darstellen, langfristiges Vermögen aufzubauen.

Durch die geringe Kostenstruktur zieht er meist an aktiv gemanagten Fonds vorbei.

Statistiken zeigen zudem, dass weniger als 40% der aktiv gemanagten Fonds besser performen, als passiv gemanagte Indexfonds.


Was macht ein ETF?

Der ETF bildet den Index ab. Er ist je nach Anbieter in der Regel in die wertvollsten, oder auch alle Unternehmen in Form von Aktien investiert, die der jeweilige Index beinhaltet. Es steht kein kostenintensives, aktives Management dahinter. Er verfolgt daher auch keine Investment-Strategie, sondern hält lediglich die Wertpapiere in diesem einen Index.


Neben einzelnen Indizes ist es auch möglich, in ETFs nach Branchen, Ländern, etc. zu investieren. Möchte man sich sehr breit aufstellen, kann man auch in einen der 18 MSCI-World ETFs investieren. Es ist allerdings ein Irrglaube, dass der MSCI-World in jedes Blue Chip* Unternehmen weltweit investiert ist.

Der MSCI-World ist per 31.12.2019 in 1.646 Unternehmen in 23 Industrieländern investiert. Der MSCI World spiegelt somit ca. 85 Prozent der Marktkapitalisierung in den Industrieländern wider.


Möchte man bspw. einen ETF kaufen, der den DAX* oder den ATX* abbildet, sollte man sich über die zwei Darstellungsarten von Indizes bewusst werden.

Warum sollte man bspw. in den ATX investieren, wenn der DAX sich in den letzten 30 Jahren mehr als verdreizehnfacht hat.


Kursindex - Performanceindex:

Der DAX wirkt auf den ersten Blick lukrativer als der ATX.

Von 1987-2017 hat sich der Wert des DAX verdreizehnfacht und pro Jahr durchschnittlich 9% zugelegt. Der ATX hingegen, wirkt auf den ersten Blick eher wie ein Underperformer, für den sich kaum jemand interessiert.

Tatsächlich wird, wenn vom DAX gesprochen wird, immer der Performance-Index genannt und in Charts dargestellt, die zeigen, wie enorm stark die Entwicklung sei.

Dies kann leicht in die Irre führen.


Performance-Indizes beinhalten jedoch zusätzlich zum Kurswachstum bereits sämtliche Dividenden, welche die Unternehmen ausbezahlt haben. Im Jahr 2017 haben die 30 Dax-Konzerne rund 32 Milliarden Euro Dividenden an Anleger ausgeschüttet.

Der DAX Peformance Index hat durchschnittlich 9% pro Jahr zugelegt.


Kurs-Indizes berücksichtigen ausschließlich den Kurs. Die Dividenden werden hier nicht miteinberechnet. Der DAX-Kursindex hat im Zeitraum 1987-2017 lediglich 6,2% durchschnittich performt.


Betrachtet man beispielweise den DAX Kurs-Index um die Jahrtausendwende, stand der Kurs-Index bei 6266 Punkten. Anschließend platzte die Internetblase, die Kurse stürzten ab, und es dauerte bis April 2015, bevor die alte Rekordmarke endlich eingestellt und übertroffen wurde. Auch per 27.12.2017 stehen die Kurse ungefähr da, wo sie auch schon vor 17 Jahren standen. Berechnet man dann noch den realen Wertzuwachs, abzüglich Inflation, war der DAX mit 4% realem Jahreswachstum im Zeitraum 1987-2017 wahrhaftig kein erwähnenswertes Investment.


Der ATX Kursindex ist seit Auflage vom 01.01.1991 bis 30.06.2019 durschschnittlich 7% pro Jahr gestiegen. Berechnet man im selben Zeitraum die Dividenden hinzu, beträgt das durschnittliche Wachstum 17% pro Jahr.


Auch die Darstellung von Charts und Statistiken kann leicht in die Irre führen:

Darstellungen sind meist linear, sehr kurz oder sehr langfristig.


Sieht man sich das lineare Chart des Dow Jones* an, wirkt es, als hätte der Index die letzten zwei Jahrzehnte stark performt und das gesamte Jahrhundert davor underperformt.


Logarithmische Darstellungen (untere Darstellung) bereinigen die Charts von Übertreibungen und Irreführungen.


Der Zuwachs der anfänglichen Jahre ist bei der linearen Darstellung nicht mehr zu erkennen, weil bei einer Skala, die mittlerweile bis 25.000 Punkte reicht, ein Zuwachs von 100 auf 150 Zähler eingeebnet wird, auch wenn dies einen Anstieg von 50% bedeutet.


Bei der logarithmischen Darstellung ist allerdings ersichtlich, dass der Dow Jones von Anbeginn stieg.

Die Abstände für identische, prozentuale Veränderungen im unternen Chart sind jeweils gleich groß. Springt der Kurs also von 100 auf 200 Punkte, ist die Wegstrecke auf dem Chart genau so lang, wie wenn die Kurse von 5000 auf 10.000 Zähler steigen.

Es gibt keine gesetzlichen Regelungen, wie Statistiken dargestellt werden dürfen.

Manipulative Effekte durch statistische Darstellungen sind tagtäglich in den Medien zu beobachten. Geschönte Darstellungen in Bereichen der Finanzen und Politik sind stark auffallend. Auch scheinlich objektiven Medien sowie vermeintliche unabhängige Journalisten nutzen bei Darstellungen und Fragestellungen oft für sie passende Statistiken. Werden die Statistiken allerdings von einem anderen Blickwinkel betrachtet, zeigt sich ein völlig anderer Stand der Dinge.


*Blue Chips: Sind große Konzerne bzw. Unternehmen, deren Marktkapitalisation 10 Mrd. US-Dollar (USA) oder mehr beträgt. In Deutschland werden bereits Unternehmen mit einer Marktkapitalisation von 2 Mrd. € zu ihnen gerechnet.

Marktkapitalisation = Kurs der Aktie × Anzahl der frei am Markt handelbaren Aktien (Streubesitz)


*DAX: Der DAX ist der bedeutendste deutsche Aktienindex. Er misst die Wertentwicklung der 30 größten und liquidesten Unternehmen des deutschen Aktienmarktes und repräsentiert rund 80 Prozent der Marktkapitalisierung börsennotierter Aktiengesellschaften in Deutschland.


*ATX: Der Austrian Traded Index ist der wichtigste Aktienindex in Österreich. Im ATX wird die Kursentwicklung der 20 größten österreichischen Unternehmen mit Börsennotierung angezeigt.


*Dow Jones: Der Dow Jones Industrial Average – in Europa auch kurz Dow-Jones-Index genannt – ist einer von mehreren Aktienindizes, die von den Gründern des Wall Street Journals und des Unternehmens Dow Jones, Charles Dow und Edward Jones, im Jahre 1884 geschaffen wurden.



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